Über ein pubertierendes, verwirrtes Mädchen ...

Ich war schon oft verknallt. In meinem Alter ist man eben oft verknallt. Eine normale Freundschaft zwischen Jungen und Mädchen ist, zumindest in dieser Zeit, fast unmöglich. Ich wusste natürlich nicht, was "Liebe" wirklich bedeutet. Ein kribbeln im Bauch auszulösen war nicht schwer. Ein Blick des anderen Geschlechts, eine freundschaftlich Umarmung... Und schon war ich an seiner Angel. Das erste mal "verknallt" war ich mit 12. Der Junge, den ich so toll fand, war natürlich im Nachhinein gar nicht so toll. Also machte ich Schluss. Nicht zuletzt, weil ich mich in meinen besten Freund verknallt hatte. Er war 2 Jahre älter als ich. Wir waren unzertrennlich, vertrauten uns blind. Und dann kamen wir zusammen. Obwohl das alles totaler Kinderkram war, tut es mir heute noch leid, wenn ich daran zurückdenke. Er war immer sehr lieb gewesen, doch wenn du 12 bist, hast du Schiss. Im Nachhinein fiel mir nämlich auf, dass ich noch gar keinen Jungen küssen wollte. Und schon gar nicht meinen besten Freund. Natürlich kam mir diese Einsicht erst, als meine beste Freundin uns bereits verkuppelt hatte... Wir waren Nachbarn. Einen Monat lang schickte ich ihn wieder und wieder weg. Wenn ich daran dachte, ihn küssen zu müssen, wurde mir ganz mulmig. Tja, auch mit 12 kann man schon Fehler machen. Letztendlich kam es auch nicht zu dem Kuss, denn als ich ihn nach einem Monat endlich in unsere Wohnung ließ, tat ich das, um ihm folgendes an den Kopf zu werfen: "Du... Ich glaube, ich fände es besser, wenn wir wieder beste Freunde sind." So dumm es sich auch anhört, er war echt traurig. Wirklich, wirklich traurig. Ich weiß noch genau, wie sein Lächeln aus seinem Gesicht verschwand und sein Blick sich zum Boden senkte. Als er wissen wollte, was er falsch gemacht hatte, klärte ich ihn auf. Ich sagte ihm, ich fühle mich zu jung für einen Freund, und dass ich auch noch nicht küssen will und überhaupt nicht wusste, wie ich mich verhalten solle. Ich fragte, ob wir noch Freunde seien. Er nickte. Dann stand er auf. "Ich geh mal wieder rüber", sagte er. Ich glaube, ich habe mich selten so schlecht gefühlt. aber ich war verdammt erleichtert, dass ich es hinter mir hatte. Das war im Übrigen nur die erste Freundschaft, die von unerwünschten, romantischen Gefühlen zerstört wurde. Es ist seltsam, dass mir das jetzt, 6 Jahre später, immer noch nachgeht. Natürlich waren wir keine Freunde mehr. Er wollte nichts mehr mit mir zu tun haben. Seine Eltern kamen einige Tage später sogar vorbei um zu erfahren, weshalb ihr Sohn nur noch im Zimmer sitze und weshalb ich nicht mehr vorbeikommen würde. Ich konnte und wollte ihnen natürlich nicht antworten. Er anscheinend auch nicht. Ich halte immer noch viel von ihm. Jahre später haben wir über Facebook miteinander geschrieben. Ganz normal, wie Freunde, die sich gestern erst gesehen hatten. Es ist jedoch besser, dieses Kapitel zu begraben. Unabhängig davon, wie traurig es ist. Eigentlich hätte ich daraus lernen sollen. "Der beste Freund ist tabu". Bei einigen funktioniert der Übergang zur Beziehung natürlich. Bei mir hatte das nie funktioniert. Mein nächster bester Freund wurde mir zu anhänglich. Es fühlte sich an wie eine Beziehung, nicht wie eine Freundschaft. Und es nervte irgendwann einfach nur noch... Uuuund dann kam der nächste beste Freund. In den verliebte diesmal ICH mich. Er war computersüchtig und lernte im Internet ein Mädchen kennen, in das er sich verliebte (Ich sollte hier erwähnen, dass die zwei bis heute Kontakt haben). Nebenbei bemerkt war er nicht nur mein Klassenkamerad, sondern zugleich auch der beste Freund des Jungen, mit dem ich zusammen war, als ich 12 war. Aber inzwischen war ich 14. Und mein bester Freund wollte mich nicht. In meinen Augen eine Unverschämtheit. Ich suchte mir einen zweiten besten Freund, ebenfalls ein Klassenkamerad. Wir nennen ihn jetzt mal T. T hörte sich all meine Ausraster und Eifersuchtsszenen geduldig an. Er war immer für mich da, unglaublich nett und hilfsbereit. Letztendlich erfand er dann Lügengeschichten über den Internetsüchtigen, um mich von ihm wegzubringen. Und ungefähr ein Jahr später hatte ich verstanden, dass T. unser Verhältnis eben NICHT rein freundschaftlich auffasste. Er war verliebt in mich, und das wurde immer deutlicher. Obwohl ich eine gefühlte Millionen mal betonte, dass zwischen uns nie etwas sein würde, lies er erst locker, als ich einen Freund fand. Da war ich 15. Mein Freund, wir nennen ihn jetzt mal J., war 2 Jahre älter als ich. Schon wieder. Wir hatten nicht eine einzige Gemeinsamkeit. Vier Monate waren wir zusammen, und in diesen vier Monaten sahen wir uns vielleicht 6 mal. Aber er durfte mich tatsächlich küssen. JETZT weiß ich, dass ich auch mit 15 noch nicht küssen wollte. Ich war jedes mal einfach nur froh, wenn ich gehen konnte und meine Ruhe hatte. Dazu kam, dass er kiffte und extrem viel Alkohol trank, was die meisten in seinem Alter tun... Ich jedoch fand das scheiße und extrem abturnend. Schluss machte ich nicht, weil ich so sehr hoffte, mich doch noch wirklich in ihn zu verlieben. Naja. Er machte dann Schluss. Eigentlich war ich froh darum, konnte mich jedoch nicht mit dem Gedanken anfreunden, verlassen zu werden. Bisher hatte immer ich Schluss gemacht. Für eine 15-jährige ist das alles einfach nur komisch. Ich heulte Rotz und Wasser. Hauptsächlich, weil ich wusste, dass man das so machte und weniger, weil ich den Grund verstand. An diesem Punkt hatte ich keine Lust mehr auf "beste Freunde". Mir ging es einfach nur auf die Nerven, dass alle meine Freundinnen ständig irgendwelche neuen Jungs am Haken hatten, während ich eine gute Freundschaft nach der anderen zerstörte. Gerade zwei tage nachdem mich J. verlassen hatte, hatte ich den Abschlussball meiner Tanzschule. Mein Tanzpartner, den ich an sich nicht schlecht fand, hatte eine Freundin. Dafür stellte er mir einen seiner Kumpels vor. M. M. flirtete einige Wochen heftig mit mir. Er gab mir das Gefühl, wirklich Interesse zu haben. Er war eine Stufe über mir und schrieb mir Dinge wie: "Du hast in meinem Leben noch gefehlt". In der Schule umarmte er mich jedes mal fest wenn er mich sah. Er schrieb mit mir, wir telefonierten... Alles war perfekt. Und plötzlich, ohne jeden Grund, meldete er sich nicht mehr. Er tat in der Schule so, als würde er mich nicht kennen. Oh Gott, ich kam mir so blöd vor. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, dass ganz in meiner Nähe ein anderer Junge war. Der Junge, mit dem ich jetzt über zwei Jahre zusammen bin. Mein erster, richtiger Freund. Bevor wir zu ihm kommen , klapper ich noch den Rest der ellenlangen, dämlichen Vorgeschichte ab. Meine beste Freundin kam mit Simon zusammen. Er war in unserem Jahrgang. Ich konnte weder ihn noch seinen besten Kumpel Max, leiden. Für mich waren beide arrogante Arschlöcher. Jedes mal wenn man am Klassenraum der 9D vorbei lief, musterten sie einen, als sei man Abschaum. Als ich Simon auf ihrem Geburtstag kennen lernte, stellte sich heraus, dass er gar kein so blödes Arschloch war. Simon wurde mein nächster bester Freund. DER beste Freund. Der einzige, der (obwohl er nicht schlecht aussah) wirklich nur ein bester Freund war. ...soviel zur Pubertät... Ich geh jetzt Scrubs gucken.

10.11.14 23:23

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